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Pounding down the brews

TÄNZE, TRINKLIEDER

O'zapft is!

Die hübschen Titel finden sich schon in der Schul-Literatur für Anfänger der Blockflöte oder des Klaviers: "Gipsie's Round", "Old Simon the King", "Parson's Farewell" und Dutzende andere.
Von Reinhard Kriechbaum

Die "Schlager", pardon, "tunes" der Shakespeare-Zeit also. Kaum einmal erfährt man etwas über die Texte, über die Anlässe der Entstehung und über die weiteren Wege dieses Melodienschatzes.

Da hilft diese CD, genauer: das Booklet dazu ein wenig weiter. Man kann einiges nachlesen und erfährt zum Beispiel, dass die Fleet Street, bevor sie den Journalisten anheim fiel, erste Adresse für Londoner Künstler war. Man traf sich dort in der Kneipe "The Devil and St. Dustan". Shakespeare vielleicht und Ben Jonson gewiss, um nur zwei von der schreibenden Zunft zu nennen. Und der alte König Simon? Das war das Adelsprädikat der Gäste für den Wirt dort, Simon Wadloe: "Old Sym, the King of Skinkers" (der Ausschenker).

Die Musik, die dort und in anderen In-Lokalen der Epoche gespielt, gesungen, vielleicht auch krakeelt worden ist, hat im Fitwilliam Virginal Book und anderen Sammlungen überdauert. Das Ensemble "no strings attached" (will heißen: eine Gruppe von Streichern, die sich nicht binden lassen will) hat sich die Sätze angeeignet. Dürfen sie das? Ja, warum nicht. Wenn es eine Musik gibt, die sozusagen "vogelfrei" der Musizierlaune und den jeweiligen instrumentalen/vokalen Möglichkeiten frei steht, dann diese.

Sie spielen volkstümlich, die Leute um die Geigerin Paula Kibildis. Erzmusikanten sind sie wohl, aber dabei vergessen sie nicht aufs Feine: kein schmieriges Legato; immer stichelig und durchsichtig im Klang (so den Vorbildsätzen fürs Virginal entsprechend); Laune und Übermut also gepaart mit Sinn für die Satzkunst der Zeit. Dass die Geige damals gerade ihren Siegeszug gegenüber den Gamben antrat, dass sie hoch im Kurs stand als Dernier Cri aus Italien - das will das Ensemble "no strings attached" vor allem vermitteln. Die Zusammenarbeit mit dem Harfenisten Tom Daun (er schöpft aus dem Fundus von John Playfords "English Dancing Master") bringt eine weitere feine Klangfarbe ein.

Das Motto der Aufnahme: "Pounding down the brews" - auf gut deutsch: "O'zapft is!"

Erstellt von: paula
Zuletzt verändert: 04.09.2007 16:15

Frisch gezapft! Jetzt auf CD:
Pounding down the brews - Tänze und Trinklieder der Renaissance.

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