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breaking the ice

Konzert-Debüt am 3. Juli 2004 im forum ki shin tai

Schon das Äußere bricht das Eis einer normalen Konzertveranstaltung: der Hinweis "Keine Bestuhlung, bitte Kissen mitbringen" bezieht sich auf den Ort, den modernen, hellen Saal im japanischen Design - er ist Teil des forums ki shin tai im Hinterhof von Mietwohnungen an der Kölner Beethovenstraße.
Man sitzt am Boden oder auf niedrigen Polstern, in freier Gruppierung, ohne vorgegebene Plätze. Ein Teil des Raums ist einfach freigelassen für die Musikergruppe - es gibt keine erhöhte "Bühne", also auch keinen künstlichen Abstand zwischen Vorführung und Publikum - und das ist wiederum Programm, denn die Musik, die hier gemacht wird, begibt sich "unter die Leute".

Es sind Melodien, die man früher in Kneipen, Theatern, beim Tanzen, auf der Straße und im Saal hören konnte und deshalb kannte: z.B. um 1600 in London, in der Stadt in Gasthäusern von Privatleuten, aber auch am königlichen Hof bei Tanzfesten. Melodien, eingekleidet, verändert, bearbeitet zu drei, vier und fünf Stimmen für eine Gruppe, ein Consort von Streichinstrumenten, und zwar - das ist zwischen 1550 und 1600 absolut das Neueste - für Violinen: Instrumente und Spieler, die zuerst aus Venedig an den königlichen Hof in London geholt wurden.
Wie in Italien üblich, nahmen sie bekannte Melodien und boten sie mit atemberaubend virtuosen Variationen dar, sie nahmen markante Basslinien und erfanden immer neue Melodien und Veränderungen dazu, Tanzsätze und Lieder aus gedruckten Sammlungen wurden für wechselnde Besetzungen bearbeitet und damit immer wieder neu komponiert.

Einiges von diesen Improvisationen hat man damals aufgeschrieben, z.T. sogar gedruckt, und dies ist der reiche Fundus, aus dem das neugegründete Ensemble und seine Leiterin Paula Kibildis schöpfen.
Violinmusik im Consort - das ist eine neue Klangfarbe, die manchmal an die Töne der heute in der Volksmusik beliebten irischen oder skandinavischen Geiger anknüpft. Der schöpferische und ideenreiche Umgang mit diesem Fundus, der Übergang von Volksmusik in Kunstmusik und umgekehrt: das ist "Breaking the ice" - reizvolle Klänge, temperamentvolles Spiel, offene Darbietungsform und viel Spaß bei der Sache - auch und vor allem für das Publikum.

Barbara Schwendowius, 31. 8. 2004


Created by nlz
Last modified 12.11.2005 19:04

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